
Informatiker (Fachteamleiter Navigationskarte)
Herr Rathfelder, wie geht es Ihnen mit der etwas exotischen Rolle als Vater in Elternzeit?
Danke, prima. Mittlerweile fühle ich mich auch nicht mehr als Exot, denn von immer mehr Vätern bekomme ich mit, dass sie für einen definierten Zeitraum vom Schreibtisch an den Wickeltisch wechseln. Jüngstes Beispiel ist ein früherer Vorgesetzter von mir, der gerade für drei Monate in Elternzeit ist. Als erster Mann in meiner Abteilung, der den Schritt gegangen ist, fühlte ich mich zu Beginn schon etwas als Exot.
Wie haben die Vorgesetzten und Kollegen damals auf Ihren Wunsch reagiert?
Mein Abteilungsleiter war erst mal perplex als ich meinen Wunsch äußerte. Das ist verständlich, ich war damals für die Entwicklung einer neuen Navigationskarte in einem großen Kundenprojekt verantwortlich. Der Großteil meiner Kollegen nahm es neutral auf, einige fragten interessiert nach, wie ich das überhaupt umsetzen will.
Das Entscheidende ist aus meiner Sicht, dass meine Vorgesetzten voll zu mir stehen und es daher nie Diskussionen in der Abteilung gab.
Wie haben Sie Ihren Wunsch möglich machen können?
Wir haben gemeinsam ein Modell entwickelt, das für alle funktioniert. Dabei war es entscheidend, dass sich alle Beteiligten so flexibel wie möglich zeigten. Mit dem Ergebnis, dass ich während der Elternzeit von Montag bis Mittwoch arbeite – weiterhin als Fachteamleiter Navigationskarte. Donnerstags und Freitags arbeitet meine Frau wieder, die zusätzlich noch ein paar Stunden Telearbeit macht. Sie ist ebenfalls Informatikerin bei Bosch. Durch diese flexible Lösung hat meine Frau den Wiedereinstieg geschafft. Toll ist auch, dass ich ohne großen Aufwand Arbeitstage mit meiner Frau tauschen kann, wenn wichtige Geschäftstermine auf der Tagesordnung stehen.
Das klingt unkompliziert. Wo ist der Haken?
Haken sehe ich keinen, wenn man verinnerlicht hat, dass man in seiner Berufsrolle natürlich äußerst flexibel, noch effektiver, konzentrierter und ergebnisorientierter arbeiten muss. Das gilt aber nicht nur für mich selbst, sondern es hat einen „Erziehungseffekt“ auf die gesamte Zusammenarbeit. Überziehen von Meetings gibt es heute nicht mehr und wir konzentrieren uns noch stärker auf das Wesentliche. Auf Basis dieser Disziplin können wir heute sehr flexibel agieren. Außerdem gilt für mich: Wenn ich erwarte wegen meines kranken Kindes ausfallen zu dürfen, muss ich umgekehrt auch meinen Beitrag gegenüber Bosch leisten. Als der Kunde beispielsweise Nachbesserungen an der Navigationsentwicklung verlangt hat, haben wir unseren Urlaub verschoben. Doch das ist für mich selbstverständlich. Ich möchte zurückgeben, was ich an meinem Arbeitgeber so schätze: flexibel zu sein.


